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Der Dienstleistungssektor in den USA legt an Fahrt zu, ohne dass es zu einem Einstellungsboom kommt. Eine unangenehme Kombination für die Fed

Die am 3. September veröffentlichten makroökonomischen Daten aus den USA zeigten eine stärkere Konjunktur im Dienstleistungssektor bei gleichzeitig anhaltend schwacher Beschäftigungsentwicklung. Die Unternehmen entlassen nur wenige Mitarbeiter, die Auftragseingänge steigen stark an, dennoch schrumpft die Beschäftigung im Dienstleistungssektor weiter. Gleichzeitig melden die Unternehmen den stärksten Preisdruck bei den Vorleistungen seit fast vier Jahren. Für die Geldpolitik ist daher die Divergenz zwischen Nachfrage, Beschäftigung und Preisen das zentrale Thema.

Sep 04, 2026
8 Min. Lesezeit
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Der Arbeitsmarkt ist weder überhitzt noch bricht er zusammen

Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe belief sich in der Woche zum 29. August auf 206.000. Der Markt hatte mit rund 205.000 gerechnet, während der vorherige Wert von 203.000 auf 204.000 nach oben korrigiert wurde. Der gleitende Vier-Wochen-Durchschnitt stieg von revidierten 205.750 auf 207.250 Anträge. Die Abweichung von den Erwartungen ist so gering, dass sie für sich genommen das Gesamtbild des Arbeitsmarktes nicht wesentlich verändert. Das US-Arbeitsministerium meldete zudem 1,779 Millionen laufende Anträge, was einem Anstieg um 8.000 gegenüber der Vorwoche entspricht, während deren gleitender Vier-Wochen-Durchschnitt auf 1,78175 Millionen sank. Die versicherte Arbeitslosenquote blieb unverändert bei 1,2 %.

Die nicht saisonbereinigten Zahlen sind weiterhin günstiger als vor einem Jahr. Die Zahl der Erstanträge belief sich auf 170.626 im Vergleich zu 196.712 in der gleichen Woche des Vorjahres, was einem Rückgang von etwa 13,3 % im Jahresvergleich entspricht. Die nicht saisonbereinigte Zahl der Folgeanträge lag bei 1,738 Millionen gegenüber rund 1,892 Millionen im Vorjahr, was einem Rückgang von etwa 8,2 % entspricht.

Dieses Muster entspricht dem, was oft als „Slow Hire, Slow Fire“-Umfeld beschrieben wird. US-Unternehmen zeigen wenig Bereitschaft, ihre Belegschaft aufzustocken, stehen aber gleichzeitig noch nicht unter einem Druck, der sie zu flächendeckenden Entlassungen zwingen würde. Nach der Veröffentlichung beschrieb Reuters den Arbeitsmarkt als weiterhin stabil, mit geringen Entlassungszahlen und verhaltener Einstellungstätigkeit.

Die Daten zu den Anträgen lieferten der Fed daher kein starkes Argument dafür, dass erhöhte Zinssätze bereits zu einer starken Verschlechterung der Beschäftigungslage führen.

Der Dienstleistungssektor legte weit stärker zu als erwartet

Ein deutlicheres Signal kam vom ISM-PMI für den Dienstleistungssektor. Der Gesamtindex stieg im August von 54,1 auf 55,4, während die Konsensschätzung bei etwa 54,2 lag. Der Dienstleistungssektor befand sich somit den 26. Monat in Folge im Expansionsbereich, wobei der August-Wert zudem 1,7 Punkte über dem 12-Monats-Durchschnitt von 53,7 lag.

Ein PMI-Wert von 55,4 bedeutet nicht, dass die Dienstleistungsproduktion um 5,4 % gestiegen ist. Es handelt sich um einen Diffusionsindex, der auf den Umfrageantworten von Unternehmen basiert. Ein Wert über 50 deutet darauf hin, dass mehr Befragte eine Expansion als eine Kontraktion melden. Je weiter der Index über 50 steigt, desto deutlicher ist das Expansionssignal.

Der Bericht für August zeigte zudem Verbesserungen, die über den Gesamt-PMI hinausgingen. Die Geschäftstätigkeit stieg von 59,1 auf 61,7 und erreichte damit den höchsten Stand seit November 2022. Die Auftragseingänge sprangen von 57,2 auf 60,9 – den höchsten Wert seit Februar 2023. Der Auftragsbestand stieg von 50,9 auf 55,6, die neuen Exportaufträge stiegen von 52,0 auf 56,3 und die Importe stiegen von 51,8 auf 56,3.

Die aktuelle Geschäftstätigkeit, die neue Nachfrage und mehrere zukunftsorientierte Indikatoren haben sich alle verstärkt.

Aufträge steigen, Beschäftigung nicht

Die deutlichste Divergenz im Bericht zeigte sich zwischen den Auftragseingängen mit 60,9 und der Beschäftigung mit 47,8. Die Differenz zwischen den beiden Indizes erreichte 13,1 Punkte.

Auf aggregierter Ebene bedeutet dies, dass die Auftragseingänge sehr stark wachsen, während die Beschäftigung im Dienstleistungssektor weiterhin schrumpft. Der Beschäftigungsindex stieg leicht von 47,4 auf 47,8, blieb jedoch den zweiten Monat in Folge unter der 50er-Marke und befand sich in 13 der letzten 18 Monate im Rückgang. Im August gaben nur 11,8 % der Befragten einen Anstieg der Beschäftigtenzahlen an, 71,1 % meldeten keine Veränderung und 17,1 % bauten Personal ab.

Das ISM fügt ein wichtiges Detail hinzu. Der Vorsitzende der Umfrage, Steve Miller, erklärte, dass Unternehmen angesichts steigender Inputkosten versuchen, ihre Ausgaben durch Personalentscheidungen zu kontrollieren, und trotz einer stärkeren Geschäftstätigkeit häufig die Neubesetzung offener Stellen hinauszögern.

Der Bericht selbst lässt jedoch keine eindeutige Schlussfolgerung zu, inwieweit diese Diskrepanz auf höhere Produktivität, Automatisierung, eine effizientere Nutzung bestehender Kapazitäten oder einfach auf eine vorsichtigere Einstellungspolitik zurückzuführen ist. Was sich aus den Daten mit Sicherheit ableiten lässt, ist, dass sich die stärkere Nachfrage noch nicht in einem vergleichbaren Beschäftigungszuwachs niederschlägt.

Der Preisdruck bei den Vorleistungen bleibt hoch

Das Bild der schwachen Einstellungstätigkeit wird durch die Preisentwicklung verkompliziert. Die Einkaufspreise stiegen von 70,3 auf 72,6 und erreichten damit den höchsten Stand seit 2022. Der Index lag in fünf der letzten sechs Monate über 70 und befindet sich seit 21 Monaten in Folge über 60. Laut ISM steigen die Inputpreise im Dienstleistungssektor nun schon seit 111 Monaten in Folge.

Ein Wert von 72,6 bedeutet jedoch nicht, dass die Preise um 72,6 % gestiegen sind. Er spiegelt einen außergewöhnlich breiten Anstieg der Inputkosten bei den Befragten wider. Im August meldeten 44,8 % der Unternehmen höhere Preise, 52,9 % stabile Preise und nur 2,3 % Rückgänge. Keine der erfassten Branchen vermeldete einen allgemeinen Rückgang der Inputpreise.

Unternehmen könnten daher Einstellungen nicht nur aufgrund von Unsicherheit hinauszögern, sondern auch, um in einem Umfeld teurerer Vorleistungen die Kosten zu kontrollieren. Zu den vom ISM als teurer werdend identifizierten Posten gehörten Kraftstoff, Software, Computerprodukte und Stahl. Zu den als knapp gemeldeten Gütern zählten GPUs, Speicherkomponenten, Arbeitskräfte und Stahl.

Die Fed sieht sich daher mit einer Konstellation konfrontiert, in der die Nachfrage im Dienstleistungssektor weiterhin stark ist, während der Druck auf die Inputpreise noch keine nennenswerte Entspannung zeigt.

Auftragsrückstände und Lagerbestände vervollständigen das Bild eines stärkeren Berichts

Die Lagerbestände stiegen von 51,4 auf 56,7 – die größte monatliche Veränderung unter den wichtigsten Teilindizes. Der Auftragsbestand stieg um ganze 4,7 Punkte auf 55,6. Gleichzeitig erreichten die neuen Exportaufträge einen Wert von 56,3 und die Importe lagen ebenfalls bei 56,3.

Der Anstieg der Lagerbestände lässt sich auf verschiedene Weise interpretieren. Möglicherweise reagieren die Unternehmen auf eine stärkere Nachfrage, bereiten sich auf zusätzliche Aufträge vor oder bauen Lagerbestände auf, um der Unsicherheit in Bezug auf Lieferketten und Preise entgegenzuwirken. Auch die Lagerbestandsstimmung stieg auf 54,1, was bedeutet, dass ein größerer Anteil der Befragten die Lagerbestände im Verhältnis zu ihrem Bedarf als zu hoch einschätzte.

Die Lieferzeiten der Lieferanten gingen von 52,8 auf 51,3 zurück. Dieser Index wird umgekehrt interpretiert: Ein Wert über 50 deutet auf langsamere Lieferungen hin. Die Lieferzeiten verlängerten sich daher weiter, allerdings weniger stark als im Juli. Der ISM nannte Zölle und geopolitische Spannungen im Nahen Osten als Faktoren, die zu Störungen führten.

Das Wachstum war relativ breit angelegt, aber nicht flächendeckend

Von den 18 befragten Branchen verzeichneten 12 Sektoren ein Gesamtwachstum. Dazu gehörten Bergbau, Immobilien sowie Vermietung, Beherbergung und Gastronomie, Großhandel, Einzelhandel, Informationsdienstleistungen, freiberufliche und technische Dienstleistungen sowie Transport und Lagerhaltung.

Ein Rückgang wurde in den Bereichen Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei, Baugewerbe, Unternehmensverwaltung und unterstützende Dienstleistungen, Finanz- und Versicherungswesen sowie Gesundheits- und Sozialwesen gemeldet.

Das Wachstum war somit relativ breit angelegt, wenn auch nicht ohne Schwachstellen.

Für die Fed ist die Kombination aus starker Nachfrage und Preisdruck das Problem

Die Zahl der Anträge bei 206.000 deutet auf geringe Entlassungen hin. Der Beschäftigungsindex bei 47,8 deutet auf eine schwache Beschäftigungsdynamik im Dienstleistungssektor hin. Der Dienstleistungs-PMI bei 55,4 und der Auftragseingangsindex bei 60,9 signalisieren eine starke Nachfrage. Die Einkaufspreise bei 72,6 deuten unterdessen auf einen erhöhten Druck bei den Inputkosten hin.

Der ISM-Bericht für August zeigt daher, dass sich die Aktivität im Dienstleistungssektor beschleunigen kann, auch wenn das Beschäftigungswachstum schwach bleibt. Gleichzeitig handelt es sich hierbei nicht um ein Umfeld, in dem der Preisdruck wesentlich nachlässt.

Wenn sich die Aktivität im Dienstleistungssektor beschleunigen würde, die Beschäftigung gleichzeitig schwach bliebe und die Einkaufspreise stark sinken würden, wäre dies für die Fed ein positiveres Signal dafür, dass das Wachstum ohne erneuten Inflationsdruck anhalten könnte. Der August-Bericht zeigte jedoch starke Auftragseingänge bei einer weiteren Beschleunigung der Inputpreise.

Ein solches Umfeld schwächt die Argumente für eine frühzeitige Lockerung der Geldpolitik und hält gleichzeitig das Risiko einer weiteren Straffung offen.

Unmittelbar nach Bekanntgabe der stärkeren Daten stiegen die Erwartungen hinsichtlich einer Zinserhöhung im September. Später drückten jedoch eher zurückhaltende Äußerungen von Fed-Gouverneur Christopher Waller die vom Markt implizierte Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September von etwa 63 % am Vortag auf rund 50 % herunter. Der Markt reagiert daher weiterhin äußerst sensibel auf jede neue Datenveröffentlichung und jede Stellungnahme von Fed-Vertretern.

Wichtigste Erkenntnisse aus den Berichten

Das auffälligste Merkmal der Daten vom 3. September ist die Divergenz zwischen dem Auftragswachstum und der Beschäftigungsdynamik im US-Dienstleistungssektor.

Die Auftragseingänge erreichten 60,9, die Geschäftstätigkeit lag bei 61,7, während die Beschäftigung nur 47,8 betrug. Die Differenz von 13,1 Punkten zeigt, dass das starke Nachfragewachstum noch nicht mit einem vergleichbaren Beschäftigungszuwachs einhergeht. Der ISM-Bericht selbst kann jedoch nicht feststellen, ob dies auf Produktivitätssteigerungen, Automatisierung oder eine zurückhaltendere Personalpolitik zurückzuführen ist.

Gleichzeitig zeigen die Einkaufspreise bei 72,6, dass der Druck auf die Vorleistungspreise weiterhin sehr stark ist. Die Fed sieht sich daher nicht nur dem Risiko eines schwächeren Arbeitsmarktes gegenüber. Ebenso wichtig ist die Tatsache, dass die Dienstleistungsaktivität weiterhin relativ stark wachsen könnte, ohne dass sich der Preisdruck nennenswert verringert.

Der ISM-Bericht vom August zeigt daher noch keine Wirtschaftslage, die eindeutig eine Lockerung der Geldpolitik erfordert. Im Gegenteil: Die Kombination aus starker Nachfrage, geringen Entlassungen und hohen Inputpreisen gibt der Fed Anlass, vorsichtig zu bleiben.