Alle Augen werden auf die Veröffentlichung des Protokolls der Juli-Sitzung der Federal Reserve gerichtet sein. Es wird erwartet, dass die Anleger das Dokument genau unter die Lupe nehmen werden, um Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wie die Entscheidungsträger die Inflationsrisiken, die Lage am Arbeitsmarkt und die Auswirkungen der hohen Energiepreise eingeschätzt haben.
Die US-Notenbank (Federal Reserve) wird am Mittwoch voraussichtlich das Protokoll ihrer geldpolitischen Sitzung vom 28. bis 29. Juli veröffentlichen, das möglicherweise neue Einblicke in die künftige Ausrichtung der US-Zinssätze geben wird. Dies ist das zweite FOMC-Protokoll, das seit dem Amtsantritt von Kevin Warsh als Fed-Vorsitzender im Mai veröffentlicht wird.
Bei der Juli-Sitzung stimmten die Entscheidungsträger mit 9:3 dafür, den Zielkorridor für den Federal Funds Rate unverändert bei 3,50 %–3,75 % zu belassen. Die abweichenden Mitglieder Beth Hammack, Neel Kashkari und Lorie Logan sprachen sich für eine sofortige Zinserhöhung um 25 Basispunkte aus.
Die Märkte suchen nach Hinweisen auf den nächsten Schritt der Fed
Die seit der Sitzung der Federal Reserve im Juli veröffentlichten Wirtschaftsdaten haben die Argumente für eine unmittelbar bevorstehende Zinserhöhung geschwächt.
Die Zahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft in den USA ging im Juli um 23.000 zurück, während die Arbeitslosenquote mit 4,1 % relativ stabil blieb. Die Umsätze im Einzelhandel und im Gastronomiebereich gingen gegenüber Juni um 0,6 % zurück, was auf eine nachlassende Nachfrage der privaten Haushalte hindeutet. Auch die Inflation hat sich leicht abgeschwächt; die Verbraucherpreise stiegen im Juli um 0,1 %, wobei sich die jährliche Gesamtinflation von 3,5 % auf 3,4 % abschwächte und die Kerninflation in den letzten 12 Monaten auf 2,5 % zurückging. Dennoch liegt die Inflation weiterhin über dem 2-Prozent-Ziel der Fed, und die Energiepreise lagen immer noch um 14,7 % höher als ein Jahr zuvor.
Diese Daten haben dazu geführt, dass Händler ihre Erwartungen hinsichtlich einer Zinserhöhung im September zurückgeschraubt haben. Die Terminmärkte deuten derzeit auf eine Wahrscheinlichkeit von etwa zwei Dritteln hin, dass die Fed die Zinsen im nächsten Monat unverändert belassen wird, bei einer Wahrscheinlichkeit von etwa einem Drittel für eine Anhebung um 25 Basispunkte. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im weiteren Verlauf des Jahres bleibt höher, was darauf hindeutet, dass die Anleger die Möglichkeit einer weiteren Straffung zwar aufgeschoben, aber nicht ausgeschlossen haben. Die vom Markt implizierten Wahrscheinlichkeiten können sich schnell ändern und sollten bei Veröffentlichung mit einem Zeitstempel versehen werden.
Inflations- und Arbeitsmarktdebatte unter genauer Lupe
Anleger werden das Protokoll genau analysieren, um Einblicke zu gewinnen, wie die Entscheidungsträger Inflationsrisiken, die Arbeitsmarktlage und die Auswirkungen der erhöhten Energiepreise bewertet haben. Die Diskussion könnte zudem Aufschluss darüber geben, inwieweit die von den drei abweichenden Mitgliedern geäußerten Bedenken im gesamten Ausschuss auf Resonanz stießen.
Eine stärkere Fokussierung auf anhaltende Inflation oder energiebedingten Preisdruck könnte die Erwartungen hinsichtlich einer Zinserhöhung im September wieder anfachen und zu höheren Anleiherenditen führen. Umgekehrt könnten verstärkte Bedenken hinsichtlich der Beschäftigung und der Verbrauchernachfrage die Argumente für eine Beibehaltung der aktuellen Zinssätze stärken.
Zwar spiegeln die Protokolle vergangene Beratungen wider und liegen vor den jüngsten Daten zu Beschäftigung, Inflation und Einzelhandelsumsätzen, doch könnten sie dennoch Klarheit über den Entscheidungsrahmen der Federal Reserve schaffen und Aufschluss darüber geben, welche Art von Belegen die Entscheidungsträger benötigen würden, um eine weitere Zinserhöhung zu rechtfertigen.
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