Die Kerninflation, ohne Energie, Lebensmittel, Alkohol und Tabak, blieb unverändert bei 2,5 %. Die EZB hatte ihren Einlagensatz am 29. Oktober bei 2,50 % belassen, doch die jüngsten Inflationszahlen haben die Erwartungen auf eine weitere Anhebung im Dezember verstärkt.
Warum eine höhere Inflation nicht das ganze Bild widerspiegelt
Energie macht weniger als ein Zehntel des Verbraucherpreisindexes der Eurozone aus, doch ihr starker Anstieg ist zu einem wichtigen Treiber der Gesamtinflation geworden. Ohne Energie blieb das jährliche Preiswachstum bei 2,3 % und damit unverändert gegenüber September.
Diese Unterscheidung ist für die Geldpolitik von Bedeutung. Höhere Zinsen können die Kreditaufnahme und die Konsumausgaben dämpfen, aber sie können Versorgungsengpässe im Energiesektor nicht direkt beheben. Eine zu aggressive Anhebung der Zinsen könnte daher die Konjunktur schwächen, ohne die Hauptursache der Inflation unmittelbar anzugehen.
Das wirtschaftliche Umfeld verstärkt diese Sorge noch. Das BIP der Eurozone wuchs im dritten Quartal um 0,4 % und verlangsamte sich damit gegenüber den 0,6 % des Vorquartals. Ein weiterer Anstieg der Kreditkosten könnte Haushalte und Unternehmen, die bereits mit höheren Energiekosten zu kämpfen haben, zusätzlich unter Druck setzen.
Könnten Energiekosten eine breitere Inflation auslösen?
Das Hauptrisiko besteht darin, dass sich die erhöhten Energiepreise allmählich auf andere Bereiche der Wirtschaft ausweiten. Unternehmen, die mit höheren Strom-, Transport- und Produktionskosten konfrontiert sind, könnten diese Ausgaben letztendlich an ihre Kunden weitergeben.
Die ersten Anzeichen sind weiterhin gemischt. Die Inflation bei Dienstleistungen stieg leicht von 3,2 % auf 3,3 %, während sich die Inflation bei unverarbeiteten Lebensmitteln auf 4,6 % beschleunigte. Die Stabilität der Kerninflation deutet jedoch darauf hin, dass sich der allgemeine Preisdruck noch nicht wesentlich verstärkt hat.
Die Lohnentwicklung liefert ein weiteres wichtiges Signal. Der jüngste Tracker der EZB deutet auf ein ausgehandeltes Lohnwachstum von 2,8 % im ersten Halbjahr 2027 hin, verglichen mit 2,7 % im zweiten Halbjahr 2026. Obwohl diese Zahlen noch keine Lohn-Preis-Spirale begründen, könnten anhaltende Steigerungen die Inflationsbekämpfung erschweren.
Was könnte den nächsten Schritt der EZB bestimmen?
Die nächste geldpolitische Entscheidung der EZB ist für den 17. Dezember angesetzt; dann dürften aktualisierte Konjunkturprognosen weitere Einblicke in die Inflations- und Wachstumserwartungen liefern.
Sollten die Energiepreise auf hohem Niveau bleiben und sich zunehmend auf Löhne und Dienstleistungen auswirken, würden die Argumente für eine weitere Zinserhöhung an Gewicht gewinnen. Umgekehrt könnte eine stabile Kerninflation in Verbindung mit einer schwächeren Konjunktur einen vorsichtigeren Kurs stützen.
Für Anleger ist diese Unterscheidung über die unmittelbare Zinsentscheidung hinaus von Bedeutung. Erwartungen einer strafferen Geldpolitik können den Euro, die Renditen von Staatsanleihen und die Finanzierungskosten in der gesamten Region beeinflussen. Höhere Kreditkosten könnten zudem die Aktienbewertungen belasten, insbesondere bei Unternehmen, die auf Fremdfinanzierung angewiesen sind.
Die zentrale Frage lautet daher, ob der derzeitige Inflationsanstieg weiterhin auf den Energiesektor beschränkt bleibt oder sich zu einem anhaltenderen Preisdruck entwickelt. Die Antwort darauf wird mitbestimmen, in welchem Umfang die europäische Wirtschaft eine weitere Straffung verkraften muss.
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