Der Wirtschaftskalender für diesen Donnerstag wird von zwei wichtigen Ereignissen geprägt: der Zinsentscheidung der EZB und den neuesten US-PPI-Daten. Der makroökonomische Kalender ist jedoch nicht die einzige potenzielle Quelle für Volatilität – zwei große Softwareunternehmen, Oracle und Adobe, werden ihre Geschäftszahlen nach Börsenschluss in den USA veröffentlichen.
Die EZB könnte das erste wichtige marktbewegende Signal des Tages setzen – doch die Entscheidung selbst dürfte kaum eine echte Überraschung bereithalten.
Die Botschaft der EZB ist wichtiger als die Zinserhöhung
Es wird allgemein erwartet, dass die EZB ihren Einlagensatz um 25 Basispunkte von 2,25 % auf 2,50 % anheben wird, nachdem die Inflation in der Eurozone im August auf 3,3 % beschleunigt hatte. Das war der höchste Wert seit fast drei Jahren und lag weiterhin deutlich über dem 2-Prozent-Ziel der Zentralbank.
Da die Anhebung weitgehend in den Marktpreisen eingepreist ist, werden sich die Anleger darauf konzentrieren, was EZB-Präsidentin Christine Lagarde zum erneuten Energieschock und den Aussichten auf weitere Straffungsmaßnahmen sagt. Eine eher restriktive Einschätzung könnte die Erwartungen hinsichtlich weiterer Zinserhöhungen stärken und dem Euro kurzfristig Auftrieb geben.
Für den EUR/USD könnten sich anfängliche Kursgewinne jedoch nur schwer halten lassen. Das Währungspaar ist zudem erheblichen Ereignisrisiken aufgrund des US-Inflationskalenders ausgesetzt, insbesondere dem am Freitag erscheinenden Bericht zum Verbraucherpreisindex. Sollte die EZB signalisieren, dass weitere Straffungsmaßnahmen weiterhin fest im Plan liegen, könnte der Euro weiter zulegen. Sollten die Entscheidungsträger hingegen das nachlassende Wachstum oder den vorübergehenden Charakter des Energieschocks betonen, könnte die Einheitswährung ins Straucheln geraten.
US-PPI als erster Inflations-Test
Anschließend richtet sich die Aufmerksamkeit auf den US-Erzeugerpreisindex (PPI) für August. Der PPI steht normalerweise im Schatten der Verbraucherpreisinflation, doch der Bericht am Donnerstag erscheint zu einem besonders heiklen Zeitpunkt. Die Daten werden daher als früher Test dafür gewertet, ob sich der Inflationsdruck innerhalb der Produktionskette wieder aufbaut.
Ein über den Erwartungen liegender Wert könnte den Dollar und die Renditen von US-Staatsanleihen beflügeln, da Händler ein höheres Risiko einer strafferen Geldpolitik der Federal Reserve einpreisen. Dies könnte zudem Aktien belasten – insbesondere zinsempfindliche Wachstumsaktien. Ein schwächerer Bericht könnte vorübergehend für Entlastung sorgen, doch ist es unwahrscheinlich, dass Anleger vor der Veröffentlichung des Verbraucherpreisindex (CPI) am Freitag endgültige Schlussfolgerungen ziehen.
Oracle und Adobe rücken KI-Ausgaben in den Fokus
Der makroökonomische Kalender ist nicht die einzige potenzielle Quelle für Volatilität. Oracle und Adobe werden ihre Ergebnisse nach Börsenschluss in den USA veröffentlichen, wodurch Ausgaben für künstliche Intelligenz und Cloud-Dienste wieder in den Mittelpunkt der Unternehmensagenda rücken.
Oracle rückt ins Rampenlicht, nachdem das Unternehmen im vergangenen Quartal einen Anstieg der Umsätze im Bereich Cloud-Infrastruktur um 93 % gegenüber dem Vorjahr gemeldet hatte. Anleger werden nach Anzeichen dafür suchen, dass die starke Nachfrage nach KI-Rechenkapazitäten anhalten kann. Adobe steht vor einer anderen KI-Herausforderung. Das Unternehmen muss nachweisen, dass generative KI sein Produktökosystem stärkt und bedeutende Umsatzchancen schafft, anstatt sein Kerngeschäft mit Kreativsoftware lediglich neuem Wettbewerb auszusetzen.
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Der wahre Test für die Erholung von Oracle wird mit der Veröffentlichung des Geschäftsberichts für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 kommen, die für den 10. September nach Börsenschluss vorgesehen ist. Die Ergebnisse werden entscheidende Einblicke darüber liefern, ob der massive Ausbau der KI-Infrastruktur des Unternehmens nachhaltig ist.
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