Nach Warshs Rede in Jackson Hole steigen die Erwartungen der Märkte hinsichtlich einer Zinserhöhung im September. Die entscheidende Frage bleibt, ob die kommenden Wirtschaftsdaten Warshs hawkisches Signal im Vorfeld der Fed-Sitzung am 16. September bestätigen werden.
Nach seiner Rede stieg der Dollar am Freitag auf den höchsten Stand seit mehr als einer Woche, während die Rendite zweijähriger US-Staatsanleihen anzog, da die Anleger eine höhere Wahrscheinlichkeit einer strafferen Geldpolitik einpreisten. Gleichzeitig gerieten Edelmetalle und Kryptowährungen angesichts steigender Realrenditen und eines stärkeren Dollars typischerweise unter Druck.
Warsh legte sich nicht auf eine Zinserhöhung bei der FOMC-Sitzung im September fest. Tatsächlich sagte er, er habe sich „einer Disziplin verpflichtet, nicht einer Entscheidung“. Doch seine Beharrlichkeit darauf, dass die Inflation nach wie vor zu hoch sei – und dass die Fed noch viel zu tun habe, solange sich der zugrunde liegende Preisdruck nicht eindeutig und schnell in Richtung ihres 2-Prozent-Ziels bewege –, veranlasste Händler dazu, die kurzfristigen geldpolitischen Aussichten neu zu bewerten. Die Märkte preisen nun eine Wahrscheinlichkeit von etwa 60 % für eine Zinserhöhung im September ein, verglichen mit rund 35 % vor Warshs Äußerungen.
Die Erwartungen hinsichtlich einer Zinserhöhung verschoben sich in der Folge weiter, da erneute Feindseligkeiten zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran die Ölpreise in die Höhe trieben und damit eine weitere potenzielle Inflationsquelle schufen. Der Unterschied ist von Bedeutung: Warshs Rede löste die anfängliche Neubewertung aus, während der spätere Anstieg sowohl geldpolitische Bedenken als auch eine sich verschärfende geopolitische Risikoprämie widerspiegelte.
Warsh räumt Preisstabilität Priorität ein
In seiner Grundsatzrede bezeichnete Warsh das Inflationsziel der Fed von 2 % als „festes, unverrückbares Ziel“ und wies die Vorstellung zurück, dass die Inflation ohne Maßnahmen der Zentralbank zwangsläufig wieder auf das Zielniveau zurückkehren würde.
Er erklärte, die 12-Monats-Inflation des PCE liege bei 3,7 %, die auf Jahresbasis umgerechnete 6-Monats-Inflation bei 4,1 %, und argumentierte, dass die jüngsten Verbesserungen bei den Inflationsdaten noch keinen überzeugenden zugrunde liegenden Trend begründet hätten. „Wir müssen sicher sein, dass sich die Kerninflation klar und mit ausreichender Geschwindigkeit in Richtung unseres Ziels bewegt“, sagte Warsh. „Andernfalls haben wir noch Arbeit vor uns.“ Er beschrieb den Arbeitsmarkt zudem als stabil und weitgehend im Einklang mit Vollbeschäftigung, trotz des jüngsten schwachen Beschäftigungswachstums.
Diese Kombination – eine widerstandsfähige Wirtschaft bei einer deutlich über dem Ziel liegenden Inflation – hat die Märkte zu der Schlussfolgerung veranlasst, dass die Fed weiterhin Spielraum für eine Straffung der Geldpolitik hat, sollten die kommenden Daten keine nennenswerte Disinflation zeigen.
Arbeitsmarktbericht: Der nächste entscheidende Indikator
Der am Freitag erscheinende Beschäftigungsbericht gewinnt nun an Bedeutung, da die kommenden Daten die Markterwartungen rasch verändern könnten. Ein starker Bericht würde die Argumente für eine Zinserhöhung im September untermauern, während erneut schwache Beschäftigungszahlen Bedenken hinsichtlich der Stärke des Arbeitsmarktes aufkommen lassen und die Wahrscheinlichkeit einer baldigen Zinserhöhung verringern könnten – selbst bei anhaltender Inflation.
Im Laufe des Septembers stehen die Märkte vor der komplexen Herausforderung, sich zwischen anhaltender Inflation, potenziell höheren Leitzinsen, gestiegenen langfristigen Renditen und Anzeichen einer nachlassenden Konsumaktivität zurechtzufinden. Die entscheidende Frage bleibt, ob die bevorstehenden Wirtschaftsdaten Warshs hawkisches Signal im Vorfeld der Fed-Sitzung am 16. September bestätigen werden.
Vorerst hat Warsh die Priorität der Fed klargestellt, ohne sich auf eine konkrete geldpolitische Entscheidung festzulegen, wodurch die Sitzung im September offen bleibt und die Aufmerksamkeit auf jeden wichtigen Inflations- und Beschäftigungsbericht verstärkt wird.
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